Lausige Rechenkünste bei der Deutschen Bank

File photo of a statue in front of the former headquarters of Germany's largest business bank, Deutsche Bank in Frankfurt, January 28, 2013. Deutsche Bank, plans to shrink its balance sheet substantially over the next two and a half years to comply with new rules to make banks more crisis-resistant, sources familiar with the bank said July 22, 2013. REUTERS/Kai Pfaffenbach/Files (GERMANY - Tags: BUSINESS)

Zur Lockerung und als mentale Aufwärmübung zunächst eine kleine Denksportaufgabe:

Eine Seerose verdoppelt sich jeden Tag. Am zehnten Tag bedeckt sie die Oberfläche eines Teichs vollständig.

Frage: Wann war die Hälfte erreicht?

Antwort: Die Intuition legt nahe, aus der linearen Entwicklung der Zeit eine proportionale Entwicklung der Seerose abzuleiten. Spontan würden viele spontan fünf Tage als Lösung anbieten. Jedoch bedeckte die Seerose am zehnten Tag den Teich zu 100%, tags zuvor — sie verdoppelt sich ja täglich! — waren dies dementsprechend 50%.

John Cryan ist Chef der Deutschen Bank. Laut Wikipedia begann er seine Karriere als Mitarbeiter von Arthur Andersen, einer bis zum ENRON-Skandal führenden Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. In diesem ersten Job ging es im Wesentlichen um zwei Dinge: festzustellen, ob das geprüfte Unternehmen vollständig und zutreffend über seine wirtschaftlichen Verhältnisse berichtet.

Warum ich diesen Exkurs zu John Cryans beruflichem Werdegang voranstelle? Weil er in einer bemerkenswerten Pressekonferenz eine bemerkenswerte Bemerkung gemacht hat:

„A figure that worries me is that 35 percent of our entire hardware has come close to the end of its lifecycle or is already beyond that,“ (Quelle: FierceFinanceIT)

Ähnlich wie im Eingangsbeispiel, muss man zur „Lösung“ des Problems um die Ecke denken, gedanklich einen Schritt zurücktreten. John Cryan — oder zumindest sein für Finanzen zuständiger Vorstandskollege  Dr. Marcus Schenck — sollte wissen, dass Hardware bei der Deutschen Bank nach der Bilanzierungsregel IAS 16 über die Nutzungsdauer abgeschrieben wird. Diese Dauer liegt  bei der Deutschen Bank zwischen drei und zehn Jahren.

Wenn man nun davon ausgeht, dass die kurzlebige Computer-Hardware über drei Jahre abgeschrieben wird, befindet sich bei regelmäßiger Erneuerung jeweils ein Drittel des Geräteparks im Alter von einem, zwei und drei Jahren. Der Anteil im dritten „Lebensjahr“ liegt mit 33,3% also zwingend und vollkommen nachvollziehbar ziemlich exakt bei den von Cryan als „lausig“ beschimpften 35%.

Man kann nur hoffen, dass die Entscheidungsträger der Deutschen Bank ansonsten bessere Rechner sind.

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