Erbarmen! Zu spät – die Investoren kommen.

tl;dr: Wer Gründern einredet, sie bräuchten einen Investor, verkennt die Realität. Oder versteckt sein Eigeninteresse hinter blumigen Worten.

Das Internet-Portal deutsche startups lässt seine Leser am Erfahrungsschatz von Sven von Loh teilhaben. Dieser verdient seinen Lebensunterhalt nach eigener Auskunft mit der Beratung von „Business Angels, Venture-Capital- & Private Equity-Gesellschaften, Family Offices und mittelständische Unternehmen“. In seinem Beitrag mit dem Titel „Finanzierung: Erfolgreich ist, wer die Spielregeln kennt“ erklärt er ausführlich die Bedeutung professioneller – und professionell ausgewählter – Finanziers für die Gründung eines Unternehmens.

Wie so oft, ist auch bei von Loh das Nichtgesagte aufschlussreicher, als das in epischer Breite  Ausgewalzte. Während es – wenn man den Ausführungen Glauben schenken mag – vor allem darum geht, einen Investor zu finden und diesem eine profitable Exit-Strategie zu ermöglichen, fördert ein kleines bisschen Rechercheaufwand Erstaunliches zu Tage.

So bietet das Bundeswirtschaftsministerium ein Dokument zum Download, dass wesentliche statistische Daten über die Gründungstätigkeit in Deutschland zusammenfasst. Und im Handumdrehen die „Geschichte“ von Loh’s zum Platzen bringt.

Schnell lässt sich das Wesen von deutschen Start Ups umreißen:

  • 80% der Start Ups in Deutschland sind Einpersonen-Unternehmen
  • 70% finanzieren sich komplett aus Eigenmitteln
  • 6% benötigen mehr als 100.000 Euro

Unterstützung durch institutionelle Risikokapitalgeber – mit entsprechendem Interesse an hohen Investitionssummen – geht am Bedarf vorbei.

Auch das Thema „Know How“ ist angesichts von zehntausenden Gründungsberatern, kommunalen wie Landesfördergesellschaften, europäischer  Programme, Gründungsförderung der Bundesagentur für Arbeit oder der KfW kein brennendes Problem.

Das Angebot von Finanzvermittlern wie von der Loh ist legitim – es lenkt insbesondere junge Gründer aber auf den falschen Pfad. Das Scheitern von Neugründungen ist vermutlich nicht allzu selten der Fokussierung auf aufwendige Finanzierungsstrategien anstelle von unternehmerischem Erfolg geschuldet.

(Disclosure: Der Verfasser hat an der Gründung und dem Aufbau des Business Angels Netzwerks Saarland mitgewirkt,  selbst zwei Unternehmen gegründet und zahlreiche Einzelunternehmer in der Startphase beraten.) 

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