Obergrenzen sind auch beim Wohnungsbau Quatsch.

Speicherblock d schnittDer sonst so geizige Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble öffnet die Taschen: So soll die – insbesondere durch die Flüchtlingskrise verschärfte – Wohnungsnot mit steuerlichen Mitteln gelindert werden. Jetzt kann man sicher darüber diskutieren, ob er damit nicht vor allem in die Taschen der nichtbauenden Steuerzahler greift, aber das ist heute nicht mein Thema.

Viel interessanter ist doch, ob tatsächlich – wie von der Presseabteilung des Finanzministeriums behauptet – mit den Abschreibungsmöglichkeiten die „richtigen Anreize“ gesetzt werden, und in der Folge in den Großstädten mehr Wohnraum entsteht.

Solange die Kosten für die Neubauten die Schwelle von EUR 3.000 pro Quadratmeter nicht überschreiten, können maximal EUR 2.000 davon schneller abgeschrieben werden. Das erhöht den kurzfristigen Gewinn der Investoren.

Kurz gesagt, ist das ein wirksamer Anreiz: Wer jetzt neu baut, verdient mehr daran. Das Ziel, mehr Wohnungen fertigzustellen wird damit vermutlich erreicht.

Kritischer sieht es hingegen bei dem zweiten Ziel aus, nämlich dem Ort des Geschehens. Es sollen ja nicht zuletzt gerade dort mehr günstige Wohnungen auf den Markt kommen, wo der Druck am größten ist. Beipielsweise – man entschuldige meine Froschperspektive – in München.

Zur Einordnung sei erwähnt, dass die Stadt München seit geraumer Zeit ein Wohnungsbauprogramm mit dem Namen „Münchner Modell“ betreibt – bei dem die Preise pro Quadratmeter auf EUR 2.800 begrenzt sind. Was allerdings nur möglich ist, weil die Grundstücke von der Gemeinde deutlich unter dem Marktpreis zur Verfügung gestellt werden.

Der Umkehrschluss ist relativ einfach: Ohne subventionierte Bodenpreise werden schlicht keine Wohnungen auf den Markt kommen, die unter der politischen Grenze von EUR 3.000 für den Quadtratmeter bleiben. Derart extrem mag es in anderen Großstädten (noch) nicht zugehen, aber das ist vermutlich bloß eine Frage der Zeit.

Grund für die willkürliche Grenze von EUR 3.000 sei, dass man keinen „Luxus“ fördern wolle. Wobei dieses Argument nicht nur angesicht der tatsächlichen Preise für „normalen“ Wohnraum reichlich fragwürdig ist, erleichtert unanhängig davon doch auch ein ins Luxusapartment umziehender Reicher die Jagd der nicht so gut Betuchten auf eine bezahlbare Bleibe – er fällt als Wettbewerber schlicht weg!

Was bleibt, ist eine populistische, politisch gewollte, an den angeblichen Zielen des Gesetzgebers gemessen unsinnige Obergrenze. Das niedere Motiv des Sozialneids wird einmal mehr bedient, im Ergebnis verheerende Lenkungswirkung entfaltend. Wohnraum wird vorzugsweise dort entstehen, wo er günstiger als in Städten mit extrem hohen Grundstückspreisen herzustellen ist. Die Abschreibungsvorteile stecken sich die steuersparwütigen Investoren dessenungeachtet ein, der Wohnungsmarkt wird in den umkämpften Großstädten keine Druckentlastung erfahren.

Lausige Rechenkünste bei der Deutschen Bank

File photo of a statue in front of the former headquarters of Germany's largest business bank, Deutsche Bank in Frankfurt, January 28, 2013. Deutsche Bank, plans to shrink its balance sheet substantially over the next two and a half years to comply with new rules to make banks more crisis-resistant, sources familiar with the bank said July 22, 2013. REUTERS/Kai Pfaffenbach/Files (GERMANY - Tags: BUSINESS)

Zur Lockerung und als mentale Aufwärmübung zunächst eine kleine Denksportaufgabe:

Eine Seerose verdoppelt sich jeden Tag. Am zehnten Tag bedeckt sie die Oberfläche eines Teichs vollständig.

Frage: Wann war die Hälfte erreicht?

Antwort: Die Intuition legt nahe, aus der linearen Entwicklung der Zeit eine proportionale Entwicklung der Seerose abzuleiten. Spontan würden viele spontan fünf Tage als Lösung anbieten. Jedoch bedeckte die Seerose am zehnten Tag den Teich zu 100%, tags zuvor — sie verdoppelt sich ja täglich! — waren dies dementsprechend 50%.

John Cryan ist Chef der Deutschen Bank. Laut Wikipedia begann er seine Karriere als Mitarbeiter von Arthur Andersen, einer bis zum ENRON-Skandal führenden Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. In diesem ersten Job ging es im Wesentlichen um zwei Dinge: festzustellen, ob das geprüfte Unternehmen vollständig und zutreffend über seine wirtschaftlichen Verhältnisse berichtet.

Warum ich diesen Exkurs zu John Cryans beruflichem Werdegang voranstelle? Weil er in einer bemerkenswerten Pressekonferenz eine bemerkenswerte Bemerkung gemacht hat:

„A figure that worries me is that 35 percent of our entire hardware has come close to the end of its lifecycle or is already beyond that,“ (Quelle: FierceFinanceIT)

Ähnlich wie im Eingangsbeispiel, muss man zur „Lösung“ des Problems um die Ecke denken, gedanklich einen Schritt zurücktreten. John Cryan — oder zumindest sein für Finanzen zuständiger Vorstandskollege  Dr. Marcus Schenck — sollte wissen, dass Hardware bei der Deutschen Bank nach der Bilanzierungsregel IAS 16 über die Nutzungsdauer abgeschrieben wird. Diese Dauer liegt  bei der Deutschen Bank zwischen drei und zehn Jahren.

Wenn man nun davon ausgeht, dass die kurzlebige Computer-Hardware über drei Jahre abgeschrieben wird, befindet sich bei regelmäßiger Erneuerung jeweils ein Drittel des Geräteparks im Alter von einem, zwei und drei Jahren. Der Anteil im dritten „Lebensjahr“ liegt mit 33,3% also zwingend und vollkommen nachvollziehbar ziemlich exakt bei den von Cryan als „lausig“ beschimpften 35%.

Man kann nur hoffen, dass die Entscheidungsträger der Deutschen Bank ansonsten bessere Rechner sind.