Ein Rang, sie zu knechten

Der Art Directors Club für Deutschland (ADC) e.V. hat gemessen, welches Bundesland am kreativsten ist.

ADC_HochschulrankingZumindest glauben die Vereinsmeier vom ADC das. Aber nicht nur Nina Kirst hat da so ihre Zweifel. Die Methode, nach der das Ranking berechnet wird, ist so simpel wie – Verzeihung! – doof: Es gewinnt derjenige, der pro Hochschule die meisten Auszeichnungen vom ADC erhalten hat. Im Ergebnis gewinnt Hamburg (5,8 Punkte) mit seinen sieben Hochschulen.

Und wieso das „doof“ ist? Weil die Anzahl der Hochschulen schlicht gar nichts über die kreative Produktivität aussagt – vielmehr wäre die Zahl der Studenten interessant. Das Saarland (3,0 Punkte) beispielsweise hält mit seiner niedlichen HBKsaar gerade einmal 400 Studienplätze bereit. Die HAW Hamburg allein hat aktuell 16.581 Studenten.

Messen wir die erzielten Punkte an der Zahl der diese Leistung erbringenden Studenten, ist das Saarland vieltausendfach kreativer – DAS wäre doch mal eine Meldung wert!

Die Dienstwagenchecker von der Deutschen Umwelthilfe

dienstwagenWie jedes Jahr veröffentlichte die Deutsche Umwelthilfe auch 2015 wieder ihren Dienstwagencheck. Einziges Kriterium für das Ranking der Minister ist dabei der EU-Grenzwert von 130g CO2 pro km. Zum Sieger unter den Ministerpräsidenten küren die Umwelthelfer Bremens Bürgermeister Jens Böhrnsen, der durch seinen Stadtstaat mit einer E-Klasse düst. Die hat 204 PS und eine Höchstgeschwindigkeit von 245 km/h. Dabei gilt in ganz Bremen ein Tempolimit von 120 km/h auf den knapp 60 km Autobahn. Auch noch auf dem Siegertreppchen – genauer: Platz 3 – findet sich Böhrnsens Kollege Olaf Scholz, der das welt- und weitläufige Hamburg mit einem allradgetriebenen(!) 5er BMW bereist. Der ist knapp 260 PS stark und wird bei 250 km/h elektronisch abgeregelt.

Ähnlich absurd erscheint das Ranking, wenn man sich die topographischen Randbedingungen des jeweiligen Dienstwageneinsatzes näher anschaut. Der mit einer Roten Karte prämierte Berliner Oberbürgermeister Michael Müller verbrennt mit seinem Diesel-A8  auf den Straßen Berlins insgesamt sicher weniger Brennstoff als Winfried Kretschmann, der in seiner Hybrid-S-Klasse kreuz und quer durchs vierzigmal so große Ländle kurvt.

Zum Vergleich: Das ist in etwa so sinnvoll, wie Alkoholismus aufgrund des Alkoholgehalts eines Getränks zu diagnostizieren – ohne sich um die konsumierten Mengen zu kümmern.

Es ist der Umwelthilfe offenbar wichtiger, öffentlichkeitswirksam einen Grenzwert zu promoten, als auf die Gesamtbilanz oder gar die grundsätzliche Angemessenheit des gewählten Transportmittels einzugehen.

(Disclosure: Mein ’73er Mercedes SL verbraucht sportlich gefahren gute 20 Liter auf 100 Kilometer und spuckt dabei circa 470 Gramm Kohlendioxid pro kmaus. Aber da er die meiste Zeit des Jahres in der Garage schlummert, während sein Besitzer per Rad und öffentlichem Nahverkehr unterwegs ist, dürfte die Ökobilanz deutlich günstiger ausfallen als bei jedem täglich gefahrenen Sparmobil.)

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