Moneyball am Montag (1): Dortmund gegen Darmstadt

Prolog

Money Ball ist ein Buch, das die Revolution des Baseball erzählt. Der Manager Billy Beane führte das finanziell dramatisch unterlegene Team der Oakland Athletics mit Transfers auf Basis statistischer Berechnungen zu einer Erfolgsserie ohne Gleichen. In Dänemark und England hat der Sportwetten-Tycoon Matthew Benham bereit einen ähnlichen Weg eingeschlagen.

Mit dem SV Darmstadt 98 ist zur Saison 2015/16 ein Verein in die Bundesliga aufgestiegen, der zunächst aussichtslos unterfinanziert schien, mittlerweile (nach dem 7.Spieltag) aber bereits mit 10 Punkten in der oberen Tabellenhälfte residiert. Ich werde den Weg der Darmstädter begleiten – aus Neugier, ob sich hier ein Moneyball-Effekt im deutschen Fußball anbahnt.

Aktueller Spieltag

Der BVB scheint nach seiner unterirdischen Klopp-Abschieds-Saison wieder Fuß gefasst zu haben: Tabellenplatz zwei, lediglich hinter dem FC Bayern in Sachen Punkte und erzielter Tore. Thomas Tuchel hat den Luxuskader (Einstandspreis: EUR 138 Mio, Quelle: transfermarkt.de) wieder in die Spur gebracht.

Aber dann kam Darmstadt, schoss zwei Tore und nahm aus dem größten Stadion der Liga einen Punkt mit nach Hause.

Dirk Schusters Mannschaft sieht, wenn man sich die Transfers anschaut, geradezu nach Resterampe aus: Eine lächerliche Million hat der Aufsteiger investiert, und hat dafür sogar noch zwei Spieler mehr im Kader (28) als die Dortmunder (26).

Vollends absurd wird es, wenn man betrachtet, welchen finanziellen Aufwand für die erzielten Punkte und Tore die beiden Mannschaften treiben:

BVB_SVD

Der BVB gibt also für jedes erzielte Tor das 60fache, für jeden Punkt das 85fache von dem aus, was Darmstadt investiert. Fairerweise muss man erwähnen, dass Dortmund diesen Kader natürlich auch mit Blick aufs internationale Geschäft und die dort herrschenden Anforderungen komponiert hat. Jedoch – und davon rücke ich nicht ab – haben die Darmstädter gezeigt, wie man aus nahezu nichts unfassbar viel machen kann.

Kommendes Wochenende dann geht es gegen Mainz, die schon eher in der „Preisklasse“ der Darmstädter spielen. Ich bin sehr gespannt….

Fortsetzung folgt.

Eigenwerbung: Wieso ich die Transfersummen und nicht die „Marktwerte“ herangezogen habe, erkläre ich hier.

Von Quoten, Kindern und Hartz IV

Antje Schrupp erklärte kürzlich eindrücklich und sehr stringent, wieso sie keine Kinder bekommen hat. Einer der wirksamsten, wenn auch impliziten Gründe meiner Einschätzung nach ist, dass sie es aus materiellen Gründen nicht musste. Mehrere Jahrzehnte feministischer Diskurs hat im deutschen Alltag tiefe Spuren hinterlassen, unter denen berufliche und sexuelle Selbstbestimmung von Frauen sicher zu den Highlights zählen. Dieser zivilisatorische Fortschritt wurde jedoch teuer erkauft, so Susan Vahabzadeh in der Süddeutschen Zeitung. So seien von den gut anderthalb Millionen alleinerziehenden Müttern laut Bertelsmann-Stiftung fast die Hälfte auf Hartz IV angewiesen.

Was hat das nun mit der Frauenquote zu tun? Eine Menge. Im ersten Schritt lautet die legitime Frage, wozu überhaupt eine Frauenquote dient. Der Verein Pro Quote bringt es ganz pragmatisch auf den Punkt: „Wir sind die Hälfte. Wir wollen die Hälfte“. Das wird von den Initiatoren als logische Konsequenz der Einführung einer Quote bei börsennotierten Unternehmen gesehen. Die Besetzung dieser schätzungsweise mehreren Dutzend Aufsichtsratsposten bedeutet Machtgewinn, also das, was Ökonomen und Managementforscher als den Erwerb von „decision rights“ – Entscheidungsrechten – bezeichnen. Frauen sollen ihre Hälfte des Himmels erhalten.

An dieser Stelle wird es leider schmutzig, denn es muss die Frage beantwortet werden, wem das politische Instrument der Quote nutzt. Die Antwort findet sich zum Teil im vorstehenden Absatz: Den Frauen, die zukünftig in Aufsichtsräte einziehen und dafür vergütet werden. Bei den geschätzten knapp unter 100 Frauen wird also grob geschätzt pro Jahr  ein niedriger zweistelliger Millionenbetrag nebst Zugangsberechtigung zu Schnittchen und Spesenkonto von der männlichen auf die weibliche Bevölkerung umverteilt. In Zeiten von Multimilliarden-Rettungspaketen eine vernachlässigbare Summe.

Wer profitiert noch? Natürlich diejenigen, die die Quote als Ressource, als Argument im Wahlkampf um die nächste Amtszeit verwenden können: die Politiker der Großen Koalition. Also nochmal ein paar weibliche, aber mehrheitlich eher männliche Abgeordnete.

Ist Ihnen schon etwas aufgefallen? Richtig! Die am Rande des Existenzminimums herumkrebsenden circa 1.500.000 (in Worten: eine Million fünfhunderttausend) Alleinerziehenden haben nichts von alledem. Ihnen bleibt weiter die Last, durch das Unterhaltsrecht spätestens nach drei Jahren neben Kinderbetreuung und Haushalt auch noch einen Job zu bestreiten. Die Entscheidungsrechte, die ihre materiell in aller Regel ohnehin sorgenfreien Geschlechtsgenossinnen hinzugewonnen haben, lassen sich kaum in eine kindertaugliche  Wohnung, Sommerferien am Mittelmeer oder gar Nachhilfeunterricht ummünzen.

Das zu beobachtende Problem rührt aus einem Mechanismus, den Daniel Kahneman sehr erleuchtend in „Schnelles Denken, Langsames Denken“ beschreibt. Er nennt es „Ersetzung“, und meint damit das Phänomen, dass Menschen unbewusst dazu neigen, schwierige Probleme (die gesellschaftliche Emanzipation von Frauen bei gleichzeitiger materieller Gefährdung) über weniger schwierige Ersatzhandlungen zu „lösen“. Anstatt Gleichberechtigung im Sinne materieller Waffengleichheit (Verfügungsrechte über finanzielle Ressourcen) herzustellen, verteilen Politiker lieber (ersatzweise) Entscheidungsrechte um.

Es würde mit großer Sicherheit zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen in der veröffentlichten und der öffentlichen Meinung führen, würde man konsequent das ursprüngliche Problem zu Ende denken. Die Tatsache, dass Frauen rein biologisch neben dem Potential das Risiko von Schwangerschaft und an ihnen hängenbleibender Erziehungsarbeit  tragen, sollte Anlass für eine entsprechende Kompensation sein. Wobei vermutlich die transaktionskostenoptimale Lösung in einer dramatischen Erhöhung des Kindergelds bestünde.

Das würde richtig viel Geld kosten. Aber eben auch den spezifischen – im Sinne von: biologischen – Besonderheiten des Kleinen Unterschieds Rechnung tragen. Wer will, dass Frauen sowohl materiell unabhängig von Männern leben können und trotzdem bereit sind, Kinder zu gebären, muss ihnen das existenzielle Risiko „abkaufen“.